Polizon

16 jähriger PRE- Wallach

Auf den ersten Blick ist die atrophierte Rückenmuskulatur, die schiefe Beinachse bzw. die Vorbiegigkeit der Vorhand und das phlegmatische Verhalten des Spaniers auffällig. Besonders besorgniserregend ist, dass das Pferd nach dem Reiten bzw. Absitzen wie einbetoniert stehen bleibt und regelrecht vom Platz gezerrt werden muss. Nach dem Absatteln zeigt sich darüber hinaus in der Sattellage eine deutliche Wölbung der Wirbelsäule.
Besitzerin Patricia Dobetsberger kommt der Empfehlung ihres Sattlers Dietmar Kulczycki von König Pferd nach und wendet sich an Horsebodyforming-Instruktorin Gudrun Kollmer.
Polizon und Patricia werden von ihr in 2 Wochendkursen und Einzeleinheiten in das statische Faszientraining und Horsebodyforming nach Franz Grünbeck eingeführt. Die Besitzerin selbst kann ihr Pferd sofort in diesem Programm arbeiten und bereits nach wenigen Wochen mit monatlicher Unterstützung vor Ort von Gudrun geht es dem Pferd augenscheinlich besser.

Zu Jahresbeginn 2024 ist der Fortschritt nicht mehr von der Hand zu weisen und Patricia entschließt sich das Pferd zur weiteren Entwicklung zum stationären Training in Gudruns Heimatstall in Wieselburg/Niederösterreich zu geben. Dort ist die Erstmaßnahme die rigorose Umstellung dessuboptimalen Beschlags. Durchfesseln, Vorbiegigkeit, Achsenbruch, Ballenzwang und Strahlfäule stellen das Team rund um den Hufschmied vor eine Herausforderung. Darüber hinaus sind Ausdünstung und Ausscheidung des Spaniers überaus übelriechend, das Fell ist glanzlos, ein Hängebauch lässt glauben, das Pferd wäre zu dick und die Augen sind teilnahmslos.

Statisches Faszientraining und Horsebodyforming sorgt ab der ersten Einheit für verbesserte Ernährung des Muskels durch Blut und Lymphflüssigkeit bzw. verbesserte die nervale Ansteuerung der Muskulatur. Dies ist die Grundlage zur Auflösung atrophierter Strukturen. Ein physiologisches Dehnen und Gegendehnen ist Kern des Programms, nur die laufende Verbesserung der Bewegungsqualität bringt das Pferd aus seinem verschleißenden Bewegungsmuster. Erst wenn die myofaszialen Ketten störungsfrei funktionieren, werden atrophierte oder verletzte Strukturen entlastet und können sich erholen. Erst dann wird ein physiologischer, gesunder Bewegungsablauf möglich. Der üble Geruch der Ausscheidungen bzw. des Schweißes lässt auf suboptimale Ernährung schließen.
In Zusammenarbeit mit Katharina Stamminger bzw. auf ihre Empfehlung wird auch Polizons Fütterung völlig umgestellt: Neben hochqualitativem Heu und Salz ad libito wird für die Mineralisation die Gabe von IWEST Magnomyofortebegonnen. Um dem Pferd die Umstellung der invasiven Hufbearbeitung zu erleichtern, bzw. das notwendige Umformen von Muskulatur, Bänder-, Sehnenapparat und Skelett zu unterstützen, wird außerdem IWESTMagnokollagen substituiert.
Das Ergebnis der Maßnahmen lässt nicht lange auf sich warten.

Polizon beginnt sich zu verändern:
die Wirbelsäule hebt sich, der Rumpf wird stabil, bereits nach wenigen Tagen ist auch eine Verbesserung der Vorbiegigkeit merklich. Das Fell beginnt zu glänzen, er wirkt als Ganzes gefüllter, der Muskeltonus sinkt. Außerdem verschwindet das Entsetzen nach und nach aus seinem Gesicht. Zur Überraschung der Besitzerin verliert der Spanier seinen staubsaugerartigen Fresszwang, die Unart des Webens wird immer seltener und auch wenn er vorübergehend ohne Stallkollegen in der Box bleibt löst dies keine hysterischen Anwandlungen mehr aus.
Nachdem Polizon von Dietmar Kulczycki von König Pferd neu besattelt worden ist, beginnt begleitend zum Trainingsalltag am Boden das Training im Sattel. Hier verfällt das Pferd augenblicklich ins alte Muster – er ist taktunrein, gestresst und eng im Genick. Dank der glasklaren Signale des Horsebodyforming-Reitprogramms versteht der eifrige Spanier innerhalb kürzester Zeit Zügel-, Schenkel- und Gewichtshilfen. Durch das konsequente Wiederholen der Basis in den 3 Grundgangarten können Lektionen wie Schulter- und Kruppherein, Schenkelweichen und fliegende Wechsel in Ruhe ausgeführt werden. Katharina Böck, Horsebodyforming-Instruktorin und Working-EquitationLehrwart wird zu diesem Zeitpunkt hinzugezogen und wird auch das weitere Reittraining von Patricia und ihrem Wallach im Heimatstall übernehmen.

Nach 3monatigen stationären Training geht Polizon als stolzes Pferd nach Hause. Er hat wieder Freude an Arbeit, die Bewegungen sind federnd und fast lautlos, die Augen leuchtenund obwohl das Gewicht annähernd unverändert ist, wirkt er durch die grundlegend verbesserte Körperhaltung schlanker. Auch Patricia hat es geschafft, ihre jahrelang festgefahrenen Muster zu verändern – die ideale Voraussetzung, um den Erfolg nach Hause mitzunehmen. Auch die getroffenen Maßnahmen werden im Heimatstall fortgeführt und natürlich werden die beiden weiter regelmäßig im Heimatstall betreut.

Horsebodyforming ist mehr als „nur“ Training der Pferde: wenn Pferde (oft unbemerkt sehr früh) in Defizite geraten, ist die Entwicklung und die Rekonvaleszenz immer von mehreren Faktoren abhängig. Das Pferd sollte als ein Ganzes als denkendes, fühlendes Individuum mit Bedürfnissen betrachtet und dementsprechend trainiert werden – darin sehe ich als Horsebodyforming Gudrun Kollmer meine Aufgabe.